Langweiliges Grün?
Grün, diese Mischfarbe aus Gelb und Blau, gilt aus der fotografischen Perspektive als eher langweilig. Kein Wunder, wird sie in der Innenarchitektur vor allem dann eingesetzt, wenn eine ruhige, harmonische Atmosphäre erzeugt werden soll. Da ist ein bisschen Langeweile und Herunterkommen durchaus gewollt.
In der Landschafts- und Naturfotografie kommt man in der Fotografie in unseren Breiten kaum um das Grün herum; zu dominant ist es von Juni bis September. Darum weichen die Landschaftsfotografinnen und Fotografen im Sommer gerne aus in die Berge oder ans Meer. Für viele von ihnen wird es in unserer Feld-, Wald- und Wiesenlandschaft erst wieder spannend, wenn sich im Herbst das Laub zu verfärben beginnt.
Wir nehmen die Herausforderung an!
Ganz im Sinne der Philosophie von SEHEN-WAHRNEHMEN-GESTALTEN können wir aber auch mal versuchen, uns der Dominanz des Grüns zu stellen. Wir nehmen also die fotografische Herausforderung an und widmen uns rein grünen Bildern. Bei den Nichtfarben Schwarz, Weiss und Grau drücken wir hingegen ein Auge zu.
So tauchen wir ein in unser kleines «Grün-Projekt». Überlege doch im Voraus, wie du dein Grün-Projekt gestalten könntest. Dabei reicht die Spannweite von der klassischen Landschafts- über die Natur- und Wald- bis zur Makrofotografie. Vielleicht machst du dich vor dem Weiterlesen sogar auf zu einem Fotospaziergang, um unbeeinflusst von den folgenden Tipps erste Grünbilder zu gestalten.
Tipp 1
Suche in der grünen Landschaft eine überzeugende Komposition. Denke daran, es gibt auch "leise", unspektakuläre Kompositionen. Im folgenden Beispiel ist das die waagrechte Schichtung der weiten Moorlandschaft, gebrochen durch die waagrechten hellen Stämme der Birken. Der im Schatten liegende Vordergrund und der dunkle Wald im Hintergrund ergeben einen idealen Rahmen. Und wichtig: Nimm den Horizont nicht mit ins Bid, um den monochromen, grün-beruigenden Charakter des Bildes zu betonen.
Dominierendes Grün: Für die einen langweilig, für die anderen harmonisch und ruhig.
Tipp 2
Monochrom grüne Bilder ergeben sich manchmal ganz überraschend. Wenn ich mit der Kamera unterwegs bin habe ich immer auch ein paar Langzeitprojekte im Hinterkopf. Das nächste Bild entstand auf einer Brücke beim Blick hinunter zum Fluss. Eigentlich suchte ich nach Spiegelungen, entdeckte dann aber das sich sanft bewegende Flussgras unter der Wasseroberfläche. Und schon war die Grün-Idee wieder präsent.
Grün an einem unerwarteten Ort - Flussgras unter Wasseroberfläche
Tipp 3
Experimentiere mit der Kamera. Oft werden vordergründig langweilige Motive dadurch spannender. Ich nutze die Kamera beim Fotografieren gerne für Experimente. Eine Methode, die ich gerne bei nicht allzuspannenden Motiven verwende: Eine "leichte" Langzeitbelichtung (ca. 1/10") während der ich die Kamera leicht bewege (rütteln, schütteln, wellenartige Bewegungen, ...). Wichtig, beginne mit der Bewegung schon vor dem Auslösen und mache mindestens 20, 30 Bilder. Zufall und viel Übung speilen bei solchen Bildern eine wichtige Rolle.. Und so ist das untenstehende Waldbild in Grün entstanden. Im Fachjargon nennt man diese Wischmethoden ICM - Intentional Camera Movement.
Bewegtes Grün dank ICM
Tipp 4
Monochrome Motive sind natürlich leichter zu finden, wenn man nahe ran geht. Aber auch dann fehlen bei grünen Motiven oft spannende Kontraste oder interessante Strukturen. Experimentierfreudige - und dazu zähle ich auch mich - spielen auch da wieder mit den Möglichkeiten der Kamera. Viele neuere digitale Kameras bieten die Möglichkeit der Mehrfachbelichtung.
Im untenstehenden Beispiel diente die unspektakuläre Blattrosette eines verblühten Löwenzahns als Motiv. Ich wählte ich im Kameramenü "Mehfachbelichtung / Durschnitt". Dann richtete icht die Kamera senkrecht nach unten zerntriert auf den Blätterbüschel und umrundete das Löwenzahnkraut in 45º-Schritten. Dadurch wurden in der Kamera 8 Aufnahmen übereinander gelegt ... Und meine Grün-Sammlung war um ein (für mich spannendes) Bild reicher.
Löwenzahnrosette als Mehrfachbelichtung
Tipp 5
Der Fotograf Pep Ventosa hat sich einen Namen gemacht durch die Mehrfachbelichtung von blühenden Bäumen. Das funktioniert aber auch in Grün! Wie beim Löwenzahn (Tipp 4) entstand das Baumbild (mein Grün-Liebling), indem ich mit der Einstellung "Mehrfachbelichtung / Durschnitt" einen relativ freistehenen Baum in einem Friedhofpark umrundete und in der Kamera 8 Bilder übereinanderlegte. Störende Elemente im Hintergrund wurden durch die Mehrfachbelichtung überlagert. Und auch hier gilt: Einfach ausprobieren und dazulernen!
Wenn der Fotgraf / die Fotografin um den Baum tanzt ...
Du möchtest mehr erfahren, wie die oben beschriebenen Kreaiv-Methoden (und noch einige andere) in der Fotopraxis funktionieren? Dann buche doch ein SWG-Coaching und erfahre praxisnah, wie solche Bilder entstehen!
